Sechs Paar Schuhe

Schuhe sind mir nicht so wichtig. Das sage ich immer, wenn es mal wieder um Frauen und Schuhe geht. Frauen und Schuhe! Crazy! Ganze Fernsehserien handeln davon, Zeitschriftenartikel, Blogs, vermutlich sogar Bücher. Als handelte es sich um Magie. Oder Liebe. Schuhe machen Frauen das Leben schön. Von wegen. Mir machen sie das Leben schwer.

Heute habe ich sechs Paar Schuhe in einen Container geworfen, der von Leuten geleert wird, die damit hoffentlich etwas anfangen können. Sechs Paar! Und mein Schuhregal sieht kaum leerer aus. Es liegen nur etwas weniger Schuhe im Weg herum. Schuhe sind mir nicht wichtig, und trotzdem ist alles voll davon: Das passiert, weil ich sie in Zuständen der Schwäche kaufe, wenn mir schon ganz schwindelig ist vom Schuhladen-Chemikalien-Geruch und den vielen indiskutablen Exemplaren in ihren Regalen, die mich umzingeln und eine Entscheidung wollen.

Wenn ich geistesgegenwärtig genug gewesen wäre, hätte ich die Pracht heute fotografiert, bevor ich sie im Container versenkte. Als Anschauungsmaterial, um zu zeigen: Ich kann keine Schuhe kaufen. Wenn ich in einem Laden stehe mit neuen Schuhen am Fuß und denke: Moment mal, sind diese hier nicht vielleicht doch ganz schön?, dann sollte ich sie liegen lassen. Das weiß ich jetzt. Aber, Schwächeanfälle ahoi: Im Geschäft sind mir die Sinne vernebelt. Und schon steht wieder ein Paar bei mir zu Hause nutzlos herum.

Vielleicht habe ich noch nicht den richtigen Schuhladen gefunden, aber ich habe es zumindest an sehr verschiedenen Orten probiert. Das fiel mir auf, nachdem ich den sechs Paaren hinterhergewinkt hatte: Nur zwei von ihnen habe in unserer kleinen Stadt gekauft. Die anderen waren Reisemitbringsel! Ein Paar braune Wildlederstiefel aus Palermo. Die sahen im Schaufenster elegant aus und im Laden fast auch noch. Dann aber waren sie irgendwie aus Pappe und unbequem und latschig.

Ein paar waren pseudo-altmodische Schnürstiefeletten aus Hamburg, die ich gekauft habe, weil sie echt doll reduziert waren und mich an ein schönes Paar erinnerten, das ich mit 15 mal hatte. Auch nichts: Zu eng, zu hart, zu komisch. Zwei Paar Sommerschlappen mit Perlen-Schnickschnack drauf, eins aus Amsterdam, eins gar aus New York! So gut wie nie getragen. Fühlten sich nicht richtig an.

Dann noch ein paar Sommersandalen mit Kordel um den Knöchel, die ich mal in der Mittagspause gekauft habe, weil es plötzlich so warm war, und ein paar fette Winterschuhe aus dem Winter, in dem es nicht aufhörte zu schneien. Es wird Menschen geben, die diese Schuhe schön finden. Für alles gibt es jemanden, der es schön findet. Ich hoffe, die entsprechenden Personen werden mit meinen Schuhen zusammen gebracht.

Habe nun beschlossen: Ich will damit aufhören, mir Dinge schönzureden. Wenn ich im Grunde meines sehr kleinen Shopping-Herzens weiß, dass ich noch nicht das richtige Paar Schuhe gefunden habe, dann kaufe ich ab sofort kein falsches mehr. Auch nicht, wenn es dramatisch reduziert ist. Ich werde warten. Und ich werde erkennen, wann der richtige Schuh gekommen ist.

Manchmal klappt es nämlich: In diesem Sommer bin ich in Brooklyn von einem jungen Hipster angesprochen worden. Er kam fast schon außer Atem angerannt, von der anderen Straßenseite. Um zu fragen, wo ich meine schönen Sandalen gekauft hätte. Und wo hatte ich sie gekauft? In unserer kleinen Stadt, zwei Tage vor der Abreise. Da war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Ausnahmsweise.

Schuh

2 replies »

  1. Guten Morgen, amüsant! Wo warst Du schon überall? Ich bin noch daran interessiert, wie es dem Archivar geht. Gibt es da eine Fortsetzung? Was verkauft er? Bist du mit ihm ins Gespräch gekommen?

  2. Ja, diese Schuhe sind wirklich eine Wucht! 🙂 Allerdings hätten mich doch auch die entsorgten Paare nochmal interessiert…Aber es ist auch gut, sich von Dingen zu trennen, die einem sowieso egal sind. Wer braucht schon Schuhe??

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