Zuhause in Neuseeland

Haus

Am Kühlschrank hängt ein Bild von meinen Eltern. Im Flur gleich eine ganze Collage deutscher Familienfotos. Vicki singt beim Kochen: „Das alles, und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär …“ Und heute Morgen hat Madeleine, die übrigens besonders gern Fanta Vier und Peter Fox hört, mich ihren Schulfreundinnen vorgestellt: „This is my aunt. She’s from Germany.“ Stimmt. Aber jetzt bin ich hier, in Otaua, Neuseeland. 25 Jahre, nachdem Vicki meine Schwester wurde.

Als ich sie das erste Mal sah, nannte sie meine Eltern schon Mama und Papa. Ich kam nach einem Jahr aus Norwegen zurück, sie wohnte seit sechs Monaten als Austauschschülerin bei uns. Skype gab es noch nicht – ich hatte einmal ihre Stimme am Telefon gehört und ein paar Fotos gesehen, mehr nicht. Aber mein Zuhause war jetzt auch ihrs, plötzlich waren wir Schwestern zu dritt. Nachdem ich mich von der Überraschung erholt hatte, lief es prächtig.

Keine von uns weiß, wie oft wir damals zusammen Dirty Dancing gesehen haben. Das Video war am Ende durchgenudelt. Vicki sagt, sie hat mit Dirty Dancing Deutsch gelernt. Man stelle sich das vor: „Ich hab eine Wassermelone getragen!“. Es hat ihr nicht geschadet. Ihr Deutsch ist echt und perfekt, sie muss nur alle paar Stunden mal kurz überlegen, bis sie einen gerade fehlenden Ausdruck wieder weiß.

„Ich bin Madeleine“ kann Vickis große Tochter auch schon akzentfrei auf Deutsch sagen. Sie steht in der Küche und backt mir einen Willkommens-Schokoladenkuchen. Ganz allein, mit ernsthaftem Blick ins Rezeptbuch, mit Eiern von den eigenen Hühnern und allem. Sie ist neun, ihre kleine Schwester Carmen wird in zwei Wochen drei.

Maddybackt

VickiCarmen

Ich habe Carmen in den ersten zwei Tagen ungefähr acht Bücher vorgelesen. Sie und Madeleine sind große Leser. Außerdem war Carmen sehr erfreut, als ich 50 Mal hintereinander einen Luftballon aufblies und ihn dann durch die Gegend zischen ließ. Bis er platzte. Ebenfalls sehr populär: Trampolinspringen. Und die aus Deutschland mitgebrachten Maoams. Maddy mag die so gerne, dass sie beschlossen hat, nur alle sechs Monate ein Maoam zu essen, damit sie genug hat, bis ich das nächste Mal komme. Carmen hat ihre sofort alle aufgegessen.

Wir machen ganz gemächlich unsere Pläne, Vicki und ich. Ein Wochenende wollen wir nach Whangamata fahren, in das Surfer-Städtchen, in dem die Familie bis vor kurzem gewohnt hat. Es liegt nicht allzu weit entfernt – Neuseeland ist schlank hier oben -, an der Ostküste der Nordinsel. Und dann ist bald Waitangi-Tag, der Gründungstag des modernen Neuseelands, er jährt sich zum 175. Mal. In Auckland gibt’s ein familienfreundliches Ganztags-Konzert mit allem drum und dran (ich hoffe auf eine Hüpfburg), das werden wir uns ansehen.

Matt, Vickis Mann, muss an diesem Tag leider unbedingt auf ein Motorsport-Festival. Seine Leidenschaft für Autos dient allerdings auch der familiären Sache, deshalb will ich nicht klagen. Deutschland steht schließlich nicht zuletzt wegen der vielen schönen Autos, die von dort kommen, bei ihm hoch im Kurs. Bonuspunkte für Vickis Wahlverwandtschaft.

Matt

Man kann ruhig klein anfangen mit den Entdeckungstouren, wenn man nach zweieinhalb Wochen Alleinsein wieder Familie um sich hat. Ein Spaziergang den Hügel rauf ist schön. Oder der Sonnenuntergang hinterm Haus.

Otaua

OtauaII

SonneOtaua

Und wenn einem dann danach ist, kann man sich auch die beiden neuseeländischen Nichten schnappen und ein bisschen Quatsch machen.

GroßeAugen

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