Basilikum und andere Arbeiten

Sonntagmorgen. Die Sonne scheint. Zu hören sind: ein Hahn. Mehrere Wasserläufe auf allen Seiten des Hauses. Ein Rasenmäher (weit weg). Irgendwo klopft jemand auf Holz. Mindestens drei verschiedene Vogelstimmen in den Bäumen, zwei Vögel pfeifen zusammen den Soundtrack von Kill Bill. Ein summendes Insekt an meinem Ohr.

Das Rauschen des Wassers ist ewig. Nur, wenn ich in meinem Zimmer die Fenster schließe, wird es ganz leise. Ich bin glaube ich hier die einzige, die ihre Fenster abends schließt. Die allermeisten Fenster stehen immer auf, nur ein Fliegengitter trennt das Innen vom Außen. An manchen Stellen sind die Fliegengitter rissig – dort, wo Annie, der große Hund, von außen einmal mit ihren Riesenpfoten draufhaute, weil im Haus ein Gast mit Hund war und sie das nicht mochte.

Durch diese Risse und durch den Türspalt, der sich nicht verhindern lässt, wenn ein Mensch das Haus verlassen oder betreten will, kommen manchmal doch Insekten ins Haus. Glühwürmchen drehen dann im Wohnzimmer ihre Runden und blinken wie kleine Warnleuchten. Gestern war in Lauras Zimmer ein Maikäfer. Sie will die Risse flicken. Ein Fliegengitterfenster kostet 150 Dollar.

Morgens um neun ist es zu warm um direkt in der Sonne zu sitzen – abends um sieben wird es ganz plötzlich so kalt draußen, als hätte jemand eine riesige Klimaanlage eingeschaltet. Kurz vor der Abendkälte sind gestern die, die sich trauten, noch in den kleinen Schwimmteich gesprungen.

Pond

Lauras Mann ist aus New York gekommen, für zwei knappe Tage. Er arbeitet als Beleuchter beim Film. Jetzt gerade mit Martin Scorsese. Der sei so verliebt in seine Arbeit, dass er am liebsten nie nach Hause gehen würde, sagt Robert. Und das gehe auf Kosten anderer, die dann 15 Stunden am Stück arbeiten müssen, so wie er am Freitag. Aber danach rafft er sich auf, setzt sich in den Bus und fährt die dreieinhalb Stunden nach Margaretville, um Laura zu sehen, am Haus zu werkeln und in den Schwimmteich zu springen.

Und heute wird er für uns Blueberry-Pancakes zum Frühstück machen, bevor er später wieder in den Bus steigt. Morgen früh wird er dann wieder in die andere Welt abtauchen, in der ein riesiges Filmteam damit beschäftigt ist, Martin Scoreses neueste Ideen umzusetzen.

Der Specht ist aufgewacht. Er arbeitet an seinem Haus in dem riesigen Baum, dessen Namen ich noch nicht kenne. Fotografiert habe ich ihn aber schon.

honeylocusttree

Seit ich hier bin, also seit Donnerstagabend, lebe ich ein sehr luxuriöses Leben. Die drei Franzosen werden allen Klischees gerecht und sind hervorragende Köche. Am Freitag sollte es deutsche Bratwurst geben, Laura mag die gerne, direkt vom Grill mit Senf. Romain zündete die Kohlen auf dem Grill an, vergaß das aber wieder und briet die Würstchen in kleinen Scheiben in der Pfanne. Dann warf er sie in das, was er Kartoffelsalat nannte: Kleine Kartoffelstückchen in einer Sahnesoße mit Kokos-Aroma, Schnittlauch und anderen Kleinigkeiten. Das ganze wurde warm serviert, und Laura und ich wunderten uns. Wie macht er das bloß?

Gestern gab es Quiche Lorraine, von Camille gebacken. Dazu grüner Salat. Das war mittags. Abends machte Romain „improved Pizza“ – er nahm tiefgekühlte Pizza Margerita und belegte sie mit gebratenen Würstchen, Tomatenscheiben, Schnittlauch, Käse und: einem Ei, kurz bevor die Pizza fertig war. So, dass es noch zum Spiegelei werden konnte, bevor er die Pracht aus dem Ofen holte. Dazu Salat. Und kalifornischer Chardonnay.

Koch

Quiche

Wenn sie nicht kochen, werkeln sie irgendetwas. Léa und Camille streichen eine Wand nach der anderen, Romain baut Blumenkästen oder sägt Wände auf auf der Suche nach versteckten Mäuse-Nestern. Dann braucht er einen halben Tag, um die Stromleitung wieder zu reparieren, die er durchgesägt hat. Und um das Loch wieder unsichtbar zu machen. Mäuse hat er keine gefunden.

Und ich? Bisher habe ich zwei Mal Brot gebacken für das Frühstück. Weißbrot, lecker! Zum Kuchenbacken bin ich noch gar nicht gekommen, weil die Küche ständig von kochenden Franzosen besetzt ist. Ich habe aber immerhin mehrmals Kaffee gekocht und ein paar Mal das Geschirr abgewaschen. Außerdem habe ich einen alten Blumenkasten von Unkraut befreit, die Erde aufgelockert und sechs Basilikumpflanzen eingesetzt.

Basilikum

Und schließlich, bisher die schwierigste Aufgabe, habe ich einen kleinen Baum aus einem großen Blumentopf gerissen, etwas Kompost unter die Erde gemischt und eine Tomatenpflanze eingesetzt. Schwierig deshalb, weil der kleine Baum nicht gehen wollte.

Das war bisher alles, was ich gearbeitet habe für mein Luxusleben hier. Ach so, und heute machen wir Erdbeermarmelade von Erdbeeren, die immerhin ich bezahlt habe. Soll bloß niemand sagen, ich täte nicht genug!

Laura und ich haben uns viel zu erzählen. Sie hat schon gefragt, ob ich nicht noch etwas länger bleiben könnte. So ungefähr bis der Sommer zu Ende geht.

Jetzt sind Camille und Léa zum Frühstücken auf die Terrasse gekommen. Mit dem Brot, das ich gebacken habe, dem Rest Nutella und dem Rest der Erdbeermarmelade, die hier mit großen Löffeln aufs Brot geschaufelt wird. Ich werde mich dazu gesellen.

PS: Der Baum heißt Honey Locust, sagt Robert.

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