Ein Anruf aus Bonn

Wie wichtig ist mir der Respekt vor Ordnung und Gesetz: sehr wichtig, eher wichtig, überhaupt nicht wichtig? Und wenn ich mich in meinem Umfeld so umschaue, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund gehören dazu? Auch von Interesse: Wie schätze ich meine finanzielle Situation ein?

Ich hatte heute einen Anruf aus Bonn. Ein Mann, der Kirsche sagte, wenn er Kirche meinte, stellte so viele grundsätzliche Fragen in so kurzer Zeit, dass mir fast schwindelig wurde. Aber ich hatte es ja nicht anders gewollt. Weil ich dachte: Wenn das Deutsche Zentrum für Altersfragen und das Familienministerium gerne mehr über das ehrenamtliche Engagement der Menschheit herausfinden möchten, dann will ich mal nicht so sein.

Irgendwann fingen der Mann und ich an zu lachen. Manche Fragen des Lebens haben eine komplexere Antwort verdient als „Trifft voll und ganz zu“ oder „Trifft überhaupt nicht zu“. Komplex war aber nicht vorgesehen, daher unser Hang zum Lachen, etwa bei diesem Thema: „Wenn ein Problem auftaucht, kann ich es alleine lösen.“ Trifft voll und ganz zu, hab ich ihm gesagt. Wenn ich zum Beispiel aus Versehen aus dem Fenster fiele und gerade noch so mit einer Hand die Regenrinne erwischte, an der ich dann baumelte, mit Blick auf die Straße zehn Meter unter mir und schwindender Kraft: Keine Sorge, das löse ich allein.

Aber solche Probleme meinten die Fragenkatalog-Ersteller wahrscheinlich nicht. Vielleicht meinten die eher so etwas wie: Die Schuhcreme ist alle, dort ist der Schuhcreme-Laden, hier ist das Geld: Kriegen Sie das alleine hin? Ja, ich denke schon. Oder sie erhofften sich Antworten wie: Nein, Probleme löse ich nicht allein. Niemand ist eine Insel – und deshalb engagiere ich mich ehrenamtlich. Vielleicht wollten sie da einen Zusammenhang erkennen?

Ich habe der rheinischen Frohnatur am Telefon versprochen, dass ich mich möglicherweise demnächst wieder ehrenamtlich engagieren würde, so wie im letzten Jahrhundert, als ich noch Schülerin war und an freien Stunden kein Mangel herrschte. Damals habe ich Austauschschüler betreut und versucht, die Umwelt zu schützen. Jetzt würde ich vielleicht einen Lesezirkel im Altersheim veranstalten. Sollte das gewünscht sein.

Außerdem habe ich dem Mann gesagt, dass er die ganzen Fragen in einem halben Jahr nochmal stellen muss, weil dann die meisten meiner Antworten ihre Gültigkeit verloren haben werden. Finanzielle Situation? Super! Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche? 45 anstrengende und gleichzeitig unerfüllende Stunden. Haben Sie das Gefühl, Ihr Leben nach Ihren Wünschen gestalten zu können? Fragen Sie doch bitte nächstes Jahr nochmal nach.

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