Bananenzeit

Gestern wollte ich auf dem Heimweg von China Town drei kleine Bananen kaufen. Die Verkäuferin, eine ältere Frau an ihrem Straßenstand, schüttelte aber den Kopf. Sie gab mir ein dickes Bündel Bananen, ich zählte kurz: Es waren 16. Für 20 Baht. Das sind 50 Cent, und da wäre es wirklich albern, nur drei zu nehmen. Allerdings habe ich jetzt eine Menge kleiner Bananen. Ich habe versucht, sie mit Su Chada und Raya zu teilen, das sind die beiden Kakerlaken-Jägerinnen. Aber sie wollten keine Bananen.

Bananas

Ich aß zwei zum Abendbrot und dann noch eine um drei Uhr nachts, weil ich zum Abendbrot nicht genug gegessen hatte und hungers aufwachte. Da ich alles tun wollte, um weiteren Kakerlakenbesuch zu verhindern, hatte ich die Bananen in den Kühlschrank gelegt, und das soll man doch nicht. Schmeckte nicht so toll, die gekühlte Banane heute Nacht. Es sind immer noch 13 übrig.

Heute Morgen dann bin ich zum Frühstück zu Dol gegangen, das ist die nette Café-Frau mit Freundin in Nürnberg. Das Café ist auch ein Garküchen-Restaurant, aber es gab nur Fischsuppe, Hühnersuppe oder etwas Unerklärliches mit Rindfleisch. Dafür war es mir noch zu früh am Tag. Ich tat so, als sei ich Vegetarierin. Und was blieb da übrig? Gebratene Bananen. Ich dachte an die 13 gekühlten in meinem Kühlschrank, aber sagte natürlich dankend ja. Zum Bananenmenü einen Milchkaffee aus dem Pappbecher, dazu den Blick auf Schulkinder und viele Erwachsene aus dieser Gegend, die hier Lunch einnahmen, und zwar mit Freuden eins mit Fleisch oder Fisch.

Garküche

Es war schön, in diesem Getümmel zu sitzen, wenn ich mich mit den Bananen auch etwas wie der Außenseiter fühlte. Aber die anderen haben sich nichts anmerken lassen. Da schob ein Mann mit seinem Fahrrad-Laden vorbei, auf dem er unter anderem gekochten Mais verkaufte. Dol sah mich fragend an, ich nickte (denn Mais find ich gut) und schon gab sie mir eine Portion aus. Ich hoffe, dass sie es nicht tat, weil sie dachte, ich sei unzufrieden mit ihrem Laden.

Mais

Beachtenswert auch der Teller: Wer findet den Fehler? Banane und Mais zum Frühstück also, dann zog ich weiter zu Danee, die in Wirklichkeit Nuchit heißt. Die Massagen-Königin. Heute tat es noch schlimmer weh als vorgestern. Aber immer, wenn ich weinte, sagte sie ungerührt „Thai Massage“ und machte weiter. Ich finde das sehr konsequent und habe den Schmerz dann ertragen. Zur Belohnung gab sie mir anschließend wieder eine Tasse Ingwer-Tee – und zwei kleine Bananen. Ich weiß nicht, was es damit auf sich hat. Eine habe ich gegessen. Zum Abschied umarmten wir uns, sie sagte „Good Luck, Good Luck“ und ich sagte: „You too“.

Nun könnte man denken, ich hätte genug Bananen gehabt, aber nein: Wie von einem Magneten angezogen stolperte ich in das „Pancake House“ im Siam Center. Ich war shoppen gewesen, weil man mir das empfohlen hatte, aber es stellte sich heraus, dass shoppen mich in Thailand ebenso schnell ermüdet wie zu Hause. Ich sah nur noch das Pancake House, es roch dort so westlich vertraut, was mir gefiel. Und ich bestellte: Pancake mit gebratener Banane. Lecker.

Bananapancake

Jetzt sitze ich hier, ein letztes Mal in der Lobby der kleinen Pension, die übrigens SongThai Hotel heißt, und neben mir liegen die Bananen, die ich noch nicht gegessen habe. Ich nehme sie mit in den Zug nach Chiang Mai. Der fährt in zweieinhalb Stunden ab und bringt mich über Nacht nach Norden. Vielleicht retten mir die Bananen unterwegs das Leben. Aber danach höre ich damit auf, ich schwöre.

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