Thailand in seinem Herzen

ShantiV

Bens Geschichte könnte eigentlich mal jemand verfilmen. Der Film könnte damit anfangen, Ben zu zeigen, wie er einem Amerikaner ein Stück Kuchen mit einer Kerze drauf serviert. Der Amerikaner ist im Urlaub auf Koh Lanta, weit weg von zu Hause, und er sitzt an seinem Geburtstag mit zwei deutschen Strandbekanntschaften in Bens Café.

Shanti Shanti heißt der Laden, ein indischer Friedensgruß unter thailändischen Palmen. Es gibt italienischen Illy-Kaffee und französisches Pain au Chocolat. Bens Frau Bo backt frische Crêpes. Der Film könnte erzählen, wie das alles so gekommen ist.

ShantiIII

Es fing vor 15 Jahren an. In Avignon, Südfrankreich. Ben hatte nach der Schule schon drei Jahre als Verkäufer in einem CD-Laden gearbeitet. Mit Musik kennt er sich aus, davon zehren seine Gäste noch heute: Exklusive, geschmackvoll gemischte Programme laufen in diesem Bambushäuschen am Klong Nin Beach. Pop, Elektronisches, Chanson, Weltmusik, europäische Klassik, Hauptsache: gut. „No Shazam Please“ steht auf einem Schild: Die Leute sollen hier nicht mit einer App einfach danach suchen, was sie gerade hören. Betriebsgeheimnis. Aber ganz ernst ist es Ben damit nicht: „Just kidding“, steht direkt drunter.

Die Musik also, seine erste Leidenschaft. Dann kam das Reisen dazu. Der Vater schickte ihn los, erzählt Ben. Du musst raus, habe er gesagt, in die Welt, hier kannst du nichts werden. Der Sohn ging folgsam nach London. Schrubbte die Böden in einem feinen französischen Restaurant, arbeitete sich langsam hoch. Eine harte Schule, nennt er es. Und eine gute. Aber nach zwei Jahren war es genug.

London habe ihn für die Welt geöffnet, sagt Ben. Buchstäblich: Mit einem Around-the-World-Ticket fuhr er los. 2003 kam er zum ersten Mal nach Thailand. Und dann zog es ihn immer wieder zurück. „I had Thailand in my heart“, sagt Ben und holt die Zigaretten raus. Keine Gauloises. Er bringt mir einen Espresso und erzählt weiter. Wie er auf Ko Samui in einem Resort arbeitete, jahrelang, bis er soweit war, den Laden zu managen.

Und wie er Bo kennen lernte. Eine Thai aus guter Familie. Das ist der Hollywood-Teil der Geschichte. Westliche Männer haben keinen guten Ruf bei traditionellen Thai-Familien. Das haben sie sich vermasselt, als Generationen von ihnen Thailand als vermeintliches Sex-Paradies missbrauchten. Wahrscheinlich wäre es auch ohne diese Vorgeschichte kompliziert. Aber Ben war sich seiner Sache sehr sicher. Mehrere Jahre konnte er Bo nur unter Aufsicht von Anstandsdamen treffen. „Freunde in der selben Situation haben aufgegeben“, sagt er. Er nicht.

Er tat alles, was nötig war, damit Bos Eltern ihn endlich akzeptieren. Schließlich ließen sie sich überzeugen, dass er es ernst meinte. Seit vier Jahren sind Bo und er nun verheiratet. „Und ich bin der geliebte Schwiegersohn“, sagt Ben. Man sieht an seinem Lächeln, wie gerne er diese Geschichte erzählt. Bo, komm, lass uns ein Foto machen, sagt er. Das nehme ich zumindest an, denn sie kommt und stellt sich mit ihm in Pose. Lächelt. Er hat es auf Thai gesagt.

Die beiden führen den Laden gemeinsam. Der Einfachheit halber läuft alles auf ihren Namen. Und es läuft gut. So gut, dass sie während Thailands Regenzeit nach Südfrankreich fahren können. Der Sommer dort sei jetzt sein Winter, sagt Ben. Das, was früher sein Winter war, gehört zu den wenigen Dingen, die er manchmal vermisst. Er würde gerne mal wieder Socken und Langärmeliges tragen. So geht es einem, der nur noch im Sommer lebt. Ansonsten aber fehlt ihm nichts. „Wenn ich anfange, Frankreich zu vermissen, fahren wir auch schon wieder hin“, sagt er. Es sei die perfekte Balance.

Manchmal fahren sie auch nach Rom: Dort hat er Familie. Schon seine Mutter hat ihr Heimatland für die Liebe verlassen. Allerdings ist sie nur von Italien nach Frankreich gegangen. Aber jetzt ist sie gerade in Thailand, ihren Sohn und ihre Schwiegertochter besuchen. Und mithelfen im Familienrestaurant. Auf der Abendkarte des Shanti Shanti wird mal wieder ein italienisches Gericht stehen.

Shanti

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PS: Klingt das nicht, als wäre ich gerade in Thailand? Ja, das wäre schön. Aber Bens Café habe ich schon im Januar besucht. Manche Geschichten brauchen etwas länger.

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