Was hast Du vor?

Sage mir, was hast Du vor mit Deinem einen, wilden, kostbaren Leben?

Das ist eine Frage, die sich jeder hin und wieder stellen sollte. Sie ist nicht von mir, jedenfalls nicht in dieser schönen Form, sondern von der amerikanischen Dichterin Mary Oliver. „What do you plan to do with your one wild and precious life?“, heißt es in ihrem Gedicht „The Summer Day“. Und wieso weiß ich das? Weil Tricia mir geschrieben hat.

Tricia und ich haben vor einem Monat in Boston ein paar Stunden zusammen verbracht. Wer nachlesen möchte, wie das war, kann das hier tun. Vielleicht habe ich in der Geschichte aber gar nicht erwähnt, was uns verbindet: Wir haben beide ein paar grundsätzliche Fragen für uns noch nicht so recht beantwortet. Und jetzt schickt sie diese Gedichtzeile – es war das erste, was ich seit dem Kinoabend in Cambridge von ihr gehört habe.

Sie fragt dazu, ob mir der Name Mary Oliver etwas sagt. Und, jetzt stelle man sich vor: ja. Weil ich in Portland, Maine zufälligerweise ein Buch von ihr gekauft habe. Our World hieß es. Es lag in Stapeln auf einem Tisch, leuchtete blau und war ein Sonderangebot. Fotos von Molly Malone Cook, Texte von Mary Oliver. Molly war Marys Lebensgefährtin, sie starb 2005. (Hier ein liebevoller Nachruf aus dem britischen „Independent“.)

Eins von Molly Malone Cooks Fotos zeigte einen älteren Mann, ich glaube, im Unterhemd. Er stützt sich auf eine Fensterbank in seiner Wohnung, um die Straße zu beobachten. Und er lächelt schüchtern in die Kamera, als wäre ihm die plötzliche Aufmerksamkeit der Fotografin ein bisschen peinlich. „Germany, 1956“, stand darunter. Das Bild gefiel mir besonders.

Die Texte von Mary Oliver überflog ich höchstens, ich wollte mir alles später in Ruhe ansehen. Aber später erschien es mir dann nur natürlich, dass dieses schöne Büchlein ein Abschiedsgeschenk für Laura werden müsste. Deshalb weiß ich auch nicht mehr genau, ob das Foto aus Deutschland wirklich von 1956 war: Ich habe das Buch in den Catskills gelassen.

Ist es nicht ein schönes Zusammentreffen, dass Tricia sich gemeldet hat und mich an Mary Oliver erinnert hat? Ich bin froh darüber. Jetzt bestelle mir das Buch einfach nach. Und vielleicht auch eins, in dem das ganze Gedicht vom Sommertag steht. Wenn ich es richtig sehe, ist es in „New and Selcted Poems, Volume One“ von 1992 zu finden.

Wo das eine, wilde und kostbare Leben zu finden ist, ist jedenfalls klar: Hier, jetzt und heute.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

Wasserwolke

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